Texte aus dem Bilderbuch

Briefe und Erzählungen

von    Amalie Wissing    ab 1999

 

Painting ©reated by Marie-Denise Douyon

Ars moriendi

Digital Painting ©reated by Amalie Wissing

Der plötzliche Wettereinbruch überraschte die Menschen im Tal.
Seit Wochen hatten die Hänge am Fuß des Gletschers unter der schmutzig verkrusteten Eisdecke verharrt. Dann, in der Neujahrsnacht, fegte ein gewaltiger Schneesturm über das Tal.
War in einem wilden Tanz von den Gipfeln herab durch die Schlucht gewirbelt. Hatte sich mächtig aufgebläht. Und Myriaden filigraner Kristalle hoch in die Nacht geschleudert. Wie benommen fielen die Flocken aus der Dunkelheit.
Aber das Tal hallte bereits wider von grell aufheulenden Silvesterraketen, die hastig schwänzelnd auseinander stoben. Unbarmherzig knatterten und barsten. Knisterten und knallten. Funkelten und blitzten. Tausendfarben. Tosend. Schlag auf Schlag. Dazwischen immer wieder eine Gischt bunter Flitter. Flirrende Schleier, die leise taumelnd verglühten.
Noch in der Nacht stieg die Temperatur über den Gefrierpunkt. Am Neujahrsmorgen regnete es in Strömen. Schmelzwasser rann. Unaufhörlich. Hoch über dem Tal schwoll der Gletschersee.
Was war das? Moira riss die Augen auf. War das ein Quietschen? Ein Jaulen? Ein Kreischen?
Seit Auschwitz logen ihre Ohren. Und Nacht um Nacht verharrte sie Angst erfüllt am Saum der Dunkelheit. Zitternd rüttelte sie den schnarchenden Mann in ihrem Arm.
- Gustavo! Wach auf!
- Was gibt`s? brummte er.
- Hast du den Krach gehört? Dieses seltsame Quietschen? Sie hob den Kopf.
- Böller! winkte er müde ab und zog die Decke bis ans Kinn. Komm, kuschel dich an!
- Das waren keine Böller, sagte sie angespannt. So ein Geräusch habe ich hier im Tal noch nie gehört.Sie lauschte.
Schlaftrunken setzte Gustavo sich auf. Er gähnte und küsste ihre blanke Schulter.
- Bonne année, mein Engel! Lass es uns gemütlich angehen! Er spürte ihre Unruhe. Der Regen, mein Engel. Der Regen, sagte er, schlug die Decke zurück, tapste steifbeinig durch das Dunkel und schloss das weit geöffnete
Fenster. Mach dir keine Sorgen. Er setzte sich zu ihr. Nahm ihre Hand. Was soll schon passieren?
- Ich habe Angst, sagte Moira. Ich weiß nicht. Dieses Quietschen!
- Irgendein Idiot findet da kein Ende, murmelte er ungehalten. Ist doch immer dasselbe. Wird schlimmer von Jahr zu Jahr.
Sie schaute auf die Uhr.
- Böller um kurz nach fünf? Sie nestelte an ihrem Kissen. Das war ein ganz anderes Geräusch vorhin. Das waren keine Böller.
- Bei dem Regen da draußen konntest du das heraus hören?! Er streichelte ihren Arm. Ist ja ganz kalt!
- Eiskalt? Sie lachte und zog seine Hand unter die Decke.
- Warm und weich ist meine Schöne...
- Komm, leg dich zu mir! lud sie ihn ein.
- Zuerst mache ich uns einen Tee!
- Und die Heizung an! rief sie ihm nach.

Gustavo brachte süßen Darjeeling, einige Stückchen kandierten Ingwer und die kleine Flasche Olivenöl. Die steckte er flugs unter die warme Decke. Die beiden Alten kuschelten sich in die Kissen und schlürften ihren Tee. Dann holte Gustavo das Fläschchen unter der Bettdecke hervor.
- Schau, was meinst du?
Moira prüfte die Temperatur zwischen den Handflächen.
- Ok, sagte sie lachend. Let's do it!
- Ich suche uns eine Musik aus. Rachmaninov? Grieg?
- Something cool, baby.
Während Gustavo das Gran Duo vorbereitete und die Einstellungen an der Musikanlage regulierte, zündete Moira die Kerzen an.
Sie lebten inmitten von Kerzen. Überall in der Wohnung brannten Kerzen. Große und kleinere. Standen in Leuchtern, die einarmig oder mehrarmig waren. Allesamt unpaarig. Und geschenkt. Wie das Leben, sagte Moira. Aber nicht einmal sie verstehe, was das bedeute, sagte sie. Das Unpaarige sei einfach eine Bedingung des Lebens. Ihre Freunde wussten das und hatten sich daran gehalten.
Moira ging ins Bad. Sie lächelte. Kämmte sich. Putzte die Zähne. Pinkelte. Wusch Scham und Möse über dem Bidet. Verteilte nach dem Duschen winzig kleine Tropfen Nr.5 zwischen den Brüsten. Im Nacken. Um die Fesseln und zwischen den Zehen. Wickelte sich in ihren dicken Bademantel und fühlte sich wohl. Den zu lieben, den ich liebe, tut mir gut, huschte ihr durch den Kopf. Aber noch bevor sie sich mit dem Gedanken anfreunden konnte, rollte die Erinnerung mit schwerem Geschütz über sie hinweg.
...Seht her! Bei unserer Freundin tut sich ein Mangel auf. An Leid. An Hass. An Feinden. Pomadig wie sie ist, kommt ihr alles abhanden. Zu lieben und zu leiden ist ein aufreibendes Geschäft. Zu lieben, was man nicht liebt, das verheißt Gutes und! Es lernt sich schnell. Also, meine Liebe, reißen Sie sich zusammen. Und keine voreiligen Schlüsse mehr. Liebe und Hass sind unzertrennlich...
Ihr wurde schwindlig.
- Schönste, fing Gustavo sie erschrocken vor dem Bad auf, wohin des Wegs?
- Erklär mir Hass, flüsterte sie.
- Du solltest nicht so früh aufstehen. Komm, lass dich umarmen. Du zitterst ja wie Espenlaub.
- Werde ich dich verlassen müssen? Moira schaute ihn mit großen Augen an.
- Wo denkst du hin?, lachte Gustavo, begleitete sie zum Bett. Schüttelte ihr die Kissen auf und deckt sie zu. Ich koche dir einen Kakao, einen Tee oder einen Kaffee. Oder von allem etwas, schlug er vor.
Sie trank Pfefferminztee, knabberte an einem Zwieback, aß einen halben Apfel und wünschte sich noch einen Kakao mit einem Häubchen frisch geschlagener Sahne. Dann gönnte sie sich ein Nickerchen.
Bein an Bein lag Gustavo neben ihr und las.
Leise brannten die Kerzen nieder.
Schatten tanzten um die züngelnden Lichter.
Gustavo legte das Buch zur Seite und seinen Arm um Moira.
So schliefen sie eine geraume Zeit und ließen nicht von einander.
Dann kroch Gustavo unter die Decke. Suchte das Fläschchen. Und sie bestellten ihren Acker. Millimeter um Millimeter. Von Kopf bis Fuß. Vertraut und zärtlich, bis sie einander schmerzlich begehrten.
- Rühr dich nicht, mein Engel, flüsterte er ihr ins Ohr. Rühr dich nicht...
Sie fühlte sein Geschlecht gegen den bebenden Oberschenkel, den leisen Schauer, als seine Finger in ihre feuchten Lippen glitten. Lass es geschehen, flüsterte er, lass es einfach geschehen, und drückte ihren Kopf sanft in die Kissen. Kuss um Kuss kosteten sie vom süßen Wein ihres Rebstocks. Überließen sich bebend den züngelnden Flammen. Dem heran nahenden Orkan. Ritten auf den Kamm ihrer Welle höher und höher, bis eine tosende Gischt sie an ein fremdes Ufer spülte.

Im Bad schaltete Gustavo wie jeden Morgen das Radio an. Stützte sich auf den Beckenrand. Zog den Stöpsel auf das Abflusssieb. Ein kurzer Blick streifte den faltigen, nackten Körper. Er schwenkte den Mischhebel auf kalt. Das Wasser rauschte.
- ...Das Leben ist wie ein Film..., hörte er die fremde Stimme.
Er fixierte die Augen im Spiegel. Genau so ist es,murmelte er.
- ...Ein Bild folgt dem anderen...
- Na denn. Sein Kopf tauchte weg.
- ...der plötzliche Temperaturanstieg in den frühen Morgenstunden beunruhigt... das Wasser in den Gletscherseen... hörte er Gesicht unter Wasser und tauchte auf. Prustete wie ein Mann. Schüttelte den Kopf wie ein nasser Hund. Mich beunruhigt, dass der Film einfach weiter läuft! murmelte er. Die Augen tasteten das Gesicht im Spiegel ab. Falten. Verwerfungen. Kontinentalverschiebungen. Man kann sich nur aussuchen, rief er Moira durch die offen stehende Tür zu, worauf man schaut! Ist es nicht so? Und langte die metallic grüne Sprühdose mit dem Rasierschaum. Nahm die Kappe ab. Las wie jeden Morgen die Nachricht auf dem weißen Dosenkragen. Goede Morgen! und Bien agiter. Federleicht quoll der satte Schaum in seine Hand. Seine Atmung wurde ruhig und tief.
- Komm her oder sprich lauter! hörte er Moira aus dem Off.
- Bist du gelangweilt? fragte er eher aus Höflichkeit denn aus Interesse.
Er erwartete keine Antwort. Er wünschte sich sogar, dass nichts und niemand, auch Moira nicht, ihn in seiner Enklave störte. Seinem Privatissimum. Dem letzten Ritual seiner singulären Männlichkeit. Erinnerte sich an seine neugierige Unbeholfenheit. Das unbeobachtete Üben mit den Utensilien des allmächtigen Vaters. Die wasserschweren Blasen des hastig aufgeschlagenen Rasierschaums, die umgehend die Wangen hinab rutschten und kalt auf die schmale Brust tropften.
Er klappte das Rasiermesser auf und zog die Klinge mit geübter Hand über das Leder am Fensterhaken.
- Deinen philosophischen Betrachtungen fehlt das korrekte Timing! mischte sich Moiras schelmische Stimme unter das Schaben auf Wange und Kinn.
Schon stand sie neben ihm. Ihre Blicke trafen sich im Spiegel.
- Was hältst du von einem Frühstück? unterbrach er die Rasur und gab sich männlich. So mit Eiern und Schinken?
- Kein Einspruch. Mach, was du willst, lachte Moira, streifte flüchtig seinen Po, ließ den Bademantel fallen und verschwand laut singend unter der prasselnden Dusche.
- ...a media luz, qué brujo es el amor... gaben Radio und Julio Iglesias den Tango vor und tanzten sie in das ockerfarbene Licht müder Sommersonntagnachmittagsalleen.

Gustavo rief sie zu Tisch.
- Ich komme direkt aus Buenos Aires, sagte sie fröhlich und zupfte den Bademantel zurecht.
- Mir fallen unter der Dusche auch die tollsten Sachen ein, lachte er und servierte den Tee. Wenn ich mich, was heißt hier mich, uns – er schaute sich um - an den kleinen Wasserfall, du erinnerst dich?
- Im Park bei Linda und Giorgio?
- Also wenn ich uns dorthin halluziniere, hielt er inne, dann rieche ich...
Mit dicken Socken an den Füßen kam Moira zurück.
- Der Boden ist kalt, sagte sie. Was riechst du?
- Den Jasmin auf deiner Haut. Da, zeigte er, war er besonders intensiv. Komm, nimm Platz!
Sie dankte mit einem angedeuteten Kuss.
- Ich weiß nicht... Sie betrachtete den liebevoll gedeckten Tisch. Schön hast du es uns gemacht. Buchsbäumchen. Kerzen. Ich danke dir. Aber sag, hab ich dir nie erzählt, dass ich fremden Männern mit geschlossenen Augen folge, weil mich der Duft von deinem Loewe hypnotisiert? Und, ergänzte sie und faltete die Serviette auf, wenn sie so gehen wie du.
- So? tat er überrascht. Reichte ihr den Brotkorb. Bon apétit, ma chère! Wie gehe ich denn?
- Du hast den absolut schlaksigen Gang, freute sie sich. Legte das Brötchen auf den Teller und ließ die Hände sprechen. Du bist groß. Schlank. Hast eine elegante Silhouette. Lange Gliedmaßen. Und wenn du gehst, ist das wie eine wunderbare Melodie für mich. Dein Körper. Deine Bewegungen. Alles fließt. Rhythmisch. Gehalten. Auf den Schlag genau. Das ist meine Musik! Ihre Augen leuchteten. Gustavo legte das Messer beiseite. Die Butter auf seinem Brötchen rollte sich. Der Regen trommelte gegen die Scheiben.
- Ich schaue rothaarigen Frauen nach, sagte er und schaute sie seltsam ruhig an, deren Haare so glänzen wie deine.
- So? spitzte sie die Stimme und setzte sich auf. Ihre Augen suchten die Pfeffermühle. Gibt es die? fragte sie weiter, fand das Utensil und schüttelte es. Möchtest du Pfeffer auf deine Eier?
Er lachte schallend.
- Lass gut sein! Bitte keinen Pfeffer! winkte er ab, nahm einen Schluck Tee und wischte sich die Augen.
- Spielen wir halt etwas anderes? bot sie ertappt an.
- Was immer du willst, fighting sqaw, sagte er, solange es nicht das Lied vom Tod ist.
- Gustavo, du machst mir Angst! sagte sie und stellte ihre Teetasse zurück.
- Nimm es nicht zu ernst, Moira. Meine Gedanken wollen nur anders als ich es will.
- Was meinst du? Nehmen wir unser Gespräch unter die Lupe? schlug sie vor.
- Auf geht's! ermunterte er sie.
- Also, begann sie, für mich war das eben ein Spiel. Eins von vielen.
- Ich höre dir zu, sagte Gustavo.
- Und die Spielregeln gelten für uns beide, oder?
- Solange wir dasselbe Spiel spielen, folgte er ihr.
- Ich habe vorhin deine Spielkarte aufgenommen. Jasminduft. Und dann habe ich meine Karte ausgespielt. Loewe-Duft. Dann kam mein glänzendes Haar ins Spiel. Darauf war ich nicht vorbereitet..
- Dem Spiel ist egal, ob du mit Schnipsel oder Klötzchen hantierst, zog er das Fazit.
- Gib mir noch einen Moment. Ich will dir erzählen, was manche Worte in mir auslösen. Duft und Glanz. Das sind besondere Worte. Ich nenne sie door opener. Sie öffnen mir alle Poren. Machen mich leicht. Durchlässig. Wie Nebel.
- Nicht ungefährlich so ein Nebel, schmunzelte er. Du hast es gerade erlebt. Man fällt auseinander, wenn man nichts mehr hat, hinter dem man sich verstecken kann.
- Du sagst es, sagte sie und lachte. Also fort mit dem Nebel. Ich suche mir andere Worte. Fremde Worte. Ein Alltagswort vielleicht. Fliegenschiss zum Beispiel.
- Go on! lachte er.
- Genau, sagte sie. Faites vos jeux! Hier meine Frage: Warum bescheißen wir uns gegenseitig? Markieren den-immer-Anderen mit diesem kleinen, nie versiegenden Fliegenschiss? Milliarden wundervollster Menschen...
- Meine squaw! sagte er, nahm ihre Hand und küsste sie zart. Meine squaw schaut genauer hin. Sieht mehr, viel mehr.
- Gustavo? zog sie die Hand zurück, soll das etwa ein Versuch sein...
- Dich auf andere Gedanken zu bringen? Niemals, wehrte er übertrieben ab und räusperte sich. Wir sehen, was wir sehen, hörte er sich sprechen. Suchte nach dem Strohhalm, der ihn bitte zur Raison bringen möchte. Ich meine, versuchte er erneut Zeit zu gewinnen, wir sehen, was wir sehen können. Und haspelte weiter. Was dann folgt, ist... ist eine Katze aus Porzellan. Imagination. Wunsch. Täuschung, sprudelte es aus ihm heraus.
- Ein Kurzschluss? Im Oberstübchen? stichelte Moira. Ist es das, was du sagen willst?
- Nenne es, wie du willst. Er spürte festen Boden. Jedes Lämpchen spendet so viel Licht, wie es selbst verträgt!
- Weißt du, dass irgendwo auf dieser Erde, erzählte sie, eine Glühbirne seit mehr als hundert Jahren brennt? Ist das nicht wunderbar?! Sie sagen, es läge wohl einzig und allein an dem Glühfaden, der dicker ist als unsere Glühfäden heute.
- Du meinst, lachte er, wir alle könnten einen besseren Glühfaden vertragen
Warum nicht? ereiferte sie sich. Stell dir vor, wir könnten drei-, vier-, vielleicht sogar fünfhundert Jahre leuchten. Lieben. Lachen!
- Da hätte jemand – er deutete mit dem Finger in die Höhe - einen anderen Job machen müssen, meinst du nicht?
Sie wiegte den Kopf.
- Wenn Er sich nur ein bisserl mehr Zeit gelassen hätte, der Gute, wäre Er sicher auch von alleine drauf gekommen. Vielleicht hatte Er endlos Langeweile und nur so a'n Mordsspaß mit uns. Weiß man's? So ist's halt mit dem Mann. Sie lächelte ihn nachdenklich an.
- Ich liebe dich, seufzte er und schob ihr eine süße Dattel in den Mund.
Good bye my friend, it's hard to die, when all the birds are singing in the sky... spielte der Radiosender.
- Komm, wir tanzen! forderte Moira ihn auf.
Sie tanzten. Eng umschlungen.
..it´s hard to die...
Der Regen prasselte und sie tanzten und flüsterten.
- Du erinnerst dich?
- An deinen wunderschönen Händen baumelten diese knallroten Stöckel..
- Die waren neu..
- Und schön..
- Und du hast ein nervöses Take five gepfiffen und mit dieser Papprolle den Takt auf deinen Oberschenkel geklopft..
- Ich weiß noch ganz genau, wie ich mich gefühlt habe..
- Erzähl es mir noch einmal, bitte!
- Du weißt, wie es war. Warst ja dabei. Kamst mir entgegen. Eine feine Silhouette, die mir im Schattenspiel der Kolonnaden einfach nur entgegen kommt. Immer näher. Und dann: ein Blick! Dein Blick. Ich sterbe. Augenblicklich. Bin mir unwiederbringlich. Abhanden gekommen. Eine zappelnde Beute im Fang einer Löwin. Will schreien. Vor Wut. Vor Zorn. Vor Schmerz. Aber da war nur Stille. Eine barbarische Stille. Und ein unsäglicher Schmerz..
- So hast du es mir noch nie erzählt.
- Und du? Lass hören..
- Du kennst das Gedicht Die Beiden. Die Zwei hatten mich schon immer wütend gemacht. Und traurig zugleich. Ich sehe dich. Und das Bild der edlen Gebärde und dem roten Wein, der am Boden rollte, verdichtete sich in meinem Kopf zu einer Endlosschleife. Zu-spät-ist-zu-spät leierte es mich in eine bedrohlich bleierne Übelkeit. Ich wollte, ich brauchte...
- Was?
- Das alles entscheidende Zeichen.
- Es war doch schon alles entschieden.
- Nicht für mich. Ich konnte mich doch immer noch falsch entscheiden.
- Dank sei Gott nicht gegen mich! lachte Gustavo und hielt sie fester.
- Und du hast meine roten Schuhe in hohem Bogen in den Tiber geworfen..
- Und das Gleichgewicht verloren. Als ich dich über die gedachte Schwelle tragen durfte.
- Du erinnerst dich an Die 2?
- Unser Papierschiffchen..
- Hör mal!!
........lerin ist tot, meldete das Radio, Pilger fanden ihren leblosen Körper in der Kathedrale des Heiligen Jakobus in Santiago de Compostella. Lawa hatte von sich reden gemacht, als sie sich in einer lebensgefährlichen Aktion in den aktiven Krater des Cotopaxi erbrach. Lawa wurde achtund... Entschuldigung, ich korrigiere – nein, ich unterbreche...
- Hast du das gehört?!
- Nichts haben sie verstanden!
- Hör doch!!Ganz..
Nah. Viel zu nah. Das Tosen und Krachen der Riesenwelle, die aus dem berstenden Gletschersee ins Tal schoss, alles mit sich riss und unter sich begrub.





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